Allgemein
Im Rahmen der kommunalen Wärmeplanung lud die Gemeinde Kolkwitz ihre Bürgerinnen und Bürger dazu ein, sich aktiv zu beteiligen. Über eine Online-Umfrage hatten Sie die Möglichkeit, Ihre Meinungen, Anliegen und Fragen zur zukünftigen Wärmeversorgung einzubringen und so die Gestaltung der lokalen Wärmewende mitzugestalten.
Insgesamt haben 30 Personen an der nicht-repräsentativen Umfrage teilgenommen. Die Teilnehmenden waren zwischen 31 und 80 Jahre alt und kamen aus 12 verschiedenen Ortsteilen: Eichow/Dubje, Glinzig/Glinsk, Hänchen/Hajnk, Kackrow/Kokrjow, Klein Gaglow/Gogolowk, Kolkwitz/Gołkojce, Krieschow/Kśišow, Limberg/Limbark, Milkersdorf/Górnej, Papitz/Popojce, Wiesendorf/Naseńce und Zahsow/Cazow.
Alle Befragten (100%) wohnten in eigenen Häusern, wobei keine der Personen in Mietwohnungen, Eigentumswohnungen oder Wohngemeinschaften lebte.
Dezentrale Versorgung mit fossilen Energien
In ländlichen Gemeinden mit niedriger Bevölkerungs- und Bebauungsdichte ist es üblich, Gebäude individuell zu beheizen. Diese Praxis spiegelte sich auch in den Ergebnissen der Umfrage wider: Alle Teilnehmenden (100 %) besaßen mindestens eine eigene, dezentrale Heizungsanlage. Besonders häufig kamen Öl- und Gasheizungen zum Einsatz, die zusammen rund 69 % der dezentralen Heizsysteme ausmachten – sowohl als Haupt- als auch als Nebenquelle der Wärmeversorgung.
Vor allem für Eigentümer älterer Gas- und Ölheizkessel wird die Frage nach einer neuen Heizungsanlage immer relevanter. Laut §72 des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) gilt ein Betriebsverbot für Heizungen, die älter als 30 Jahre sind. Rund 50 % der Befragten gaben an, dass ihre Heizsysteme bereits älter als 20 Jahre waren. Für Niedertemperatur- und Brennwertkessel sowie für Eigentümer, die ihre Immobilie bereits vor 2002 selbst bewohnt haben, gibt es jedoch Ausnahmen von dieser Regelung. Neue Eigentümer müssen jedoch solche veralteten Heizsysteme innerhalb von zwei Jahren nach Erwerb der Immobilie austauschen.

Heizungsaustausch und energetische Gebäudesanierung in den nächsten Jahren
In den nächsten Jahren planen 86 % der Teilnehmenden keine energetischen Sanierungsmaßnahmen. Unter denjenigen, die solche Maßnahmen in Betracht ziehen, ist der Heizungstausch die häufigste geplante Maßnahme, gefolgt vom Fenstertausch und der Dachdämmung. Die Kellerdämmung spielt eine eher untergeordnete Rolle.
Die Bundesregierung stellt sowohl für den Austausch von Heizungen als auch für energetische Sanierungen Fördermöglichkeiten zur Verfügung. Weitere Informationen zu den verfügbaren Förderprogrammen finden Sie in unseren FAQs.
Mögliche Wärmequellen
Die Bürgerinnen und Bürger von Kolkwitz wurden zunächst befragt, welche Energieträger sie in ihrer Gemeinde für geeignet halten. Dabei zeichnete sich folgendes Bild ab:
- Erneuerbare Energien genießen große Zustimmung. Strom aus erneuerbaren Quellen (73 %), Solarthermie (57 %) und Umweltwärme, z. B. durch Wärmepumpen (57 %), werden mehrheitlich als geeignet oder sehr geeignet bewertet.
- Biomasse wie Pellets oder Hackschnitzel (57 %), Tiefengeothermie (50 %), sowie Biogas/Biomethan (40 %) wurden ebenfalls positiv wahrgenommen. Allerdings zeigte sich hier eine höhere Unsicherheit, die sich in neutralen oder zurückhaltenderen Einschätzungen widerspiegelte.
- Fossile Energieträger hingegen werden eher abgelehnt: Heizöl (36 % ungeeignet) und Kohle (53 % ungeeignet) gelten als wenig zukunftsfähig.
- Erdgas wird weiterhin vergleichsweise positiv bewertet: 53 % halten es für geeignet, während 30 % es als ungeeignet einstufen. Seine Verbreitung, Verfügbarkeit und geringeren Anfangsinvestitionen tragen zum positiven Image bei. Dennoch sprechen die steigenden CO₂-Kosten und der Rückgang der angeschlossenen Haushalte gegen eine langfristige Nutzung. Dadurch steigen die Netzentgelte, was Erdgas mittelfristig weniger attraktiv machen dürfte.
- Wasserstoff wird von 30% der Befragten als geeignet angesehen, während 23% keine klare Einschätzung abgeben konnten. Im Bereich der Wärmeversorgung wird Wasserstoff aller Wahrscheinlichkeit nach nicht in ausreichender Menge, zu vertretbaren Kosten und flächendeckend verfügbar sein. Die begrenzten Ressourcen werden voraussichtlich vorrangig für industrielle Prozesse genutzt, da es in diesen Anwendungen keine gleichwertigen Alternativen gibt.
Diese Ergebnisse verdeutlichen die klare Präferenz für erneuerbare Energien und die wachsende Unsicherheit bezüglich fossiler und alternativer Energieträger wie Wasserstoff.

Die Teilnehmenden hatten die Möglichkeit, anzugeben, welche Art der Wärmeversorgung sie bevorzugen würden, falls ein Heizungsaustausch innerhalb der nächsten 24 Monate erforderlich wäre. Dabei konnten mehrere Antworten ausgewählt werden.
- Wärmepumpe (47 %) und der Anschluss an ein Wärmenetz (30 %) sind die bevorzugtesten Optionen.
- Gasheizung wird von 30 % der Befragten bevorzugt, während Biomasse/Holz (17 %) und Ölheizung (17 %) weniger gewählt werden.
- Solarthermie erhält mit nur 7 % den geringsten Zuspruch.
- 7 % der Teilnehmenden sind noch unentschlossen.

89 % der Teilnehmenden, die einem Anschluss an ein Wärmenetz gegenüber aufgeschlossen waren, konnten sich vorstellen, Mitglied einer Wärmegenossenschaft zu werden. Etwa 11 % waren noch unentschlossen.
Gründe für einen Heizungstausch
Die Gründe für die Entscheidung zum Heizungsaustausch spiegeln eine Vielzahl von Überlegungen und Perspektiven der Teilnehmenden wider. Diese betreffen sowohl die ökologischen als auch die ökonomischen und technischen Aspekte eines möglichen Heizsystemwechsels. Die wichtigsten Beweggründe lassen sich wie folgt zusammenfassen:
Kosteneffizienz
Finanzielle Überlegungen spielten eine große Rolle bei der Entscheidung für eine bestimmte Heizung. Viele Teilnehmende betonten, dass die Wahl vom Budget abhängt und dass ein geringer persönlicher technischer und finanzieller Aufwand bevorzugt wird. Ein Umbau auf eine andere Heizart wurde als zu teuer und aufwendig beschrieben. Einige Teilnehmende konnten noch keine konkrete Aussage treffen, tendierten aber zum günstigsten Produkt. Förderprogramme und der langfristige Anstieg der Preise für fossile Brennstoffe spielen hierbei eine wesentliche Rolle.
Umwelt
Umwelt und Nachhaltigkeit waren zentrale Themen für viele Teilnehmende. Sonnenenergie wurde als zukunftsfähig angesehen, und solarthermische Energie sowie PV-Anlagen in Kombination mit Wärmepumpen wurden als sinnvolle Lösungen genannt. Einige sahen in diesen Optionen die beste Lösung für eine nachhaltige Zukunft.
Regionale und individuelle Unterschiede
Praktische Überlegungen spielten ebenfalls eine wichtige Rolle. Teilnehmer, die bereits eine Wärmepumpe besitzen, würden diese weiterführen und gegebenenfalls mit solarthermischer Warmwassererzeugung kombinieren. Die Möglichkeit, mehrere Nutzer an ein Netz anzuschließen und so Kosten zu reduzieren, wurde als vorteilhaft angesehen. Gemeinschaftliche Nutzung über ein Rohrnetz und eine zentrale Wärmestation wurden ebenfalls als praktische Lösungen genannt. Öl- und Fernwärme wurden für einzelne Grundstücke als nicht bezahlbar eingestuft.
Kritikpunkte und Herausforderungen
Trotz der positiven Einschätzungen neuer Technologien gibt es auch kritische Stimmen, etwa bezüglich der hohen Anschaffungskosten von Wärmepumpen und ihrer Abhängigkeit von Strom.
Die Antworten verdeutlichen, wie komplex die Überlegungen bei der Auswahl einer neuen Heizung sind und unterstreichen den Wunsch nach nachhaltigen, effizienten und kostengünstigen Lösungen.
Wichtige Themen und Anliegen der Befragten
Die Bürger*innen der Gemeinde haben eine Vielzahl von Ideen, Anregungen und Bedenken zur zukünftigen Wärmeversorgung geäußert. Im Mittelpunkt stehen der Wunsch nach bezahlbaren, umweltfreundlichen Lösungen sowie die Nutzung erneuerbarer Energien wie Biogas und Windkraft. Auch die Einbindung regionaler Ressourcen und lokaler Anbieter wird als wichtig erachtet, um die Wertschöpfung in der Region zu stärken.
Hinsichtlich der technischen Umsetzung wurden sowohl zentrale als auch dezentrale Ansätze genannt: Während Wärmenetze als sinnvoll erscheinen, sehen viele Bürger*innen in hybriden Heizsystemen eine notwendige Übergangslösung für ältere Bestandsgebäude. Dabei wurden die hohen Investitionskosten, insbesondere bei alten, schwer sanierbaren Häusern, als Herausforderung benannt.
Ein zentrales Anliegen ist soziale Gerechtigkeit: Niemand soll durch die Umstellung finanziell überfordert werden. Dafür braucht es verständliche Informationen, gezielte Förderungen und klare Regeln – z. B. bei Trinkwasserschutzgebieten. Zudem äußerten einige Bürger*innen den Wunsch nach mehr Autarkie und flexiblen, auf ihre Situation zugeschnittenen Lösungen.
Die Bürger*innen wünschten sich bezahlbare, umweltfreundliche Wärmeversorgung auf Basis erneuerbarer Energien wie Biogas oder Windkraft. Regionale Anbieter sollten eingebunden werden, um lokale Wertschöpfung zu sichern. Für Altbauten wurden hybride Heizsysteme als Übergangslösung empfohlen, Investitionskosten galten aber als Herausforderung. Soziale Gerechtigkeit war zentral: Die Umstellung darf niemanden finanziell überlasten. Dafür forderten die Bürger*innen verständliche Infos, gezielte Förderung, klare Regeln und flexible, individuelle Lösungen.
Ihre Ansprechpartner
Thomas Ramoth
Wirtschaftsförderung,
Gemeinde Kolkwitz
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Celeste-Regina Fischer
Projektbearbeiterin, Zukunfts[planungs]werk
(beratendes Büro)
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